Die Leistung der deutschen Online-Glücksspielaufsicht im Vergleich zu anderen europäischen Regulierungsbehörden

German vs EU regulators

Die Online-Glücksspielbranche ist in Europa exponentiell gewachsen und hat Länder dazu veranlasst, Regulierungsrahmen zu schaffen, um Marktintegrität, Verbraucherschutz und verantwortungsbewusstes Spielen sicherzustellen. Die deutsche Glücksspielaufsicht, die Glücksspielbehörde (GGL), steht seit ihrer Gründung vor einer Reihe einzigartiger Herausforderungen und Chancen. Ein Vergleich ihrer Leistung mit anderen europäischen Regulierungsbehörden zeigt Stärken, Schwächen und mögliche Lehren auf.

Die deutsche Glücksspielbehörde: Ein Überblick

Die GGL übernahm offiziell die Regulierung des deutschen Online-Glücksspielsektors im Juli 2021, nachdem der Glücksspielstaatsvertrag (GlüNeuRStV) in Kraft getreten war. Dieser Vertrag zielte darauf ab, die zuvor fragmentierten Glücksspielgesetze Deutschlands unter einem föderalen Rahmen zu vereinheitlichen.

Die Hauptaufgaben der GGL umfassen:

  • Die Lizenzierung und Überwachung von Online-Casinos, Sportwetten und Pokeranbietern.
  • Die Sicherstellung der Einhaltung strenger Verbraucherschutzvorschriften.
  • Die Bekämpfung illegalen Glücksspiels und die Prävention von Spielsucht.

Deutschlands Regulierungsansatz unterscheidet sich jedoch erheblich von dem anderer europäischer Länder, insbesondere durch seinen konservativen Ansatz. Die strengen Werberichtlinien, Einzahlungslimits und obligatorischen Verlustlimits spiegeln Deutschlands vorsichtige Haltung gegenüber den sozialen Risiken des Glücksspiels wider.

Vergleich Deutschlands mit anderen europäischen Regulierungsbehörden

1. Effizienz des Lizenzierungsprozesses
Der Lizenzierungsprozess in Deutschland wird wegen seiner bürokratischen Komplexität und Langsamkeit kritisiert. Bis Anfang 2023 hatte die GGL nur eine begrenzte Anzahl von Lizenzen ausgestellt, was bei Anbietern Frustration auslöste und illegale Aktivitäten förderte.

Im Gegensatz dazu haben Länder wie das Vereinigte Königreich und Schweden effizientere Lizenzierungsverfahren implementiert. Die UK Gambling Commission bietet beispielsweise klare Zeitpläne und transparente Kriterien, die es einer breiteren Anbieterbasis ermöglichen, in den Markt einzutreten. Ebenso hat Schwedens Spelinspektionen, die 2019 gegründet wurde, schnell einen vielfältigen und gut regulierten Markt aufgebaut.

2. Kontrolle des Schwarzmarkts
Deutschland hat Schwierigkeiten, den Einfluss nicht lizenzierter Anbieter einzudämmen. Die GGL schätzt, dass bis zu 90 % der Online-Glücksspielaktivitäten in Deutschland auf nicht autorisierten Plattformen stattfinden. Durchsetzungsmaßnahmen wie Domain-Sperren und Zahlungsrestriktionen waren weniger effektiv als in Dänemark und Frankreich, wo koordinierte Anstrengungen illegales Glücksspiel deutlich reduziert haben.

3. Verbraucherschutz und verantwortungsbewusstes Spielen
Die GGL hat proaktiv strenge Verbraucherschutzmaßnahmen eingeführt. Funktionen wie Einzahlungslimits (1.000 € pro Monat), obligatorische Abkühlphasen und ein zentrales Spielersperrsystem zeigen Deutschlands Fokus auf den Schutz der Spieler.

Diese Maßnahmen wurden jedoch kritisiert, da sie Verbraucher möglicherweise auf unregulierte Plattformen treiben, wo solche Schutzmaßnahmen fehlen. Regulierungsbehörden wie die niederländische Kansspelautoriteit (KSA) und Schwedens Spelinspektionen verfolgen einen ausgewogeneren Ansatz, der starke Verbraucherschutzmaßnahmen mit einem wettbewerbsfähigen Markt kombiniert.

4. Besteuerung und Attraktivität des Marktes
Deutschland erhebt eine 5,3 %-Umsatzsteuer auf Online-Glücksspiele, wodurch der Markt für Anbieter eine der am wenigsten attraktiven Optionen in Europa ist. Dies steht im Gegensatz zu Ländern wie dem Vereinigten Königreich, das ein ertragsbasiertes Steuermodell verwendet und Anbieter so ermutigt, in den regulierten Markt einzutreten. Eine höhere Anbieterbeteiligung in diesen Märkten führt zu effektiverer Aufsicht und besserer Finanzierung verantwortungsbewusster Glücksspielinitiativen.

Stärken des deutschen Ansatzes

Trotz der Herausforderungen hat der deutsche Ansatz auch Stärken:

  • Spielerschutz hat oberste Priorität, und Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen sind vorbildlich.
  • Die Zentralisierung der Glücksspielregulierung unter der GGL reduziert regulatorische Fragmentierung, was eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem vorherigen System darstellt.
  • Die Bemühungen Deutschlands, die Öffentlichkeit über die Risiken des Glücksspiels aufzuklären, zeigen eine langfristige Strategie zur Schadensbegrenzung.

Verbesserungspotenzial

  1. Modernisierung des Lizenzierungsprozesses: Eine Vereinfachung und Beschleunigung der Lizenzierung könnte mehr Anbieter ermutigen, in den legalen Markt einzutreten.
  2. Effektivere Bekämpfung des Schwarzmarkts: Durch den Einsatz datengetriebener Durchsetzungstaktiken, wie sie in Dänemark erfolgreich angewandt werden, könnte Deutschland die Kontrolle über seinen Markt zurückgewinnen.
  3. Ausgewogenheit zwischen Verbraucherschutz und Marktattraktivität: Deutschland muss einen Mittelweg finden, um zu restriktive Maßnahmen zu vermeiden, die Verbraucher auf unregulierte Plattformen treiben.
  4. Steuerreformen: Die Einführung eines ertragsbasierten Steuermodells könnte den deutschen Markt attraktiver machen und gleichzeitig eine effektive Aufsicht gewährleisten.

Fazit

Der vorsichtige und verbraucherorientierte Regulierungsansatz der GGL setzt hohe Standards für verantwortungsbewusstes Spielen, doch ihre Effektivität wird durch bürokratische Ineffizienzen und Schwierigkeiten mit Schwarzmarktaktivitäten eingeschränkt. Durch die Übernahme flexibler und effizienter Ansätze von Regulierungsbehörden in Großbritannien, Schweden und Dänemark könnte Deutschland sein Rahmenwerk verbessern, um Marktattraktivität und soziale Verantwortung besser in Einklang zu bringen.

Da das Online-Glücksspiel weiter wächst, wird der Erfolg von Regulierungsbehörden davon abhängen, wie gut sie ihre Strategien anpassen und umsetzen können – eine Herausforderung, der sich die GGL aktiv stellen muss, um ihre Rolle als führende Regulierungsbehörde in Europa zu festigen.